DIDEA DESIGN

Design, nicht Kunst.

Von Erik Spiekermann.

Design ist zuallererst ein intellektueller Prozess. Entgegen der herrschenden Meinung sind Designer keine Künstler. Sie arbeiten mit künstlerischen Methoden um Gedanken sichtbar zu machen, aber im Gegensatz zu Künstlern arbeiten sie als Problemlöser im Auftrag anstatt ihre eigene Einstellung zu präsentieren. Wenn andererseits ein Designprojekt als erfolgreich gelten will – und Erfolg ist der einzig wahre Qualitätsmaßstab – , dann wird es nicht nur das akute Problem lösen, sondern über den pragmatischen Ansatz hinaus eine ästhetische Dimension erschließen.

Design ist keine Anreihung von „kreativen“ Einzellösungen, sondern ein integrierter Prozess. Von der Planung der angemessenen Kommunikationsstrategie bis zur Gestaltung funktionstüchtiger und schöner Gegenstände und der Umsetzung – um ein Beispiel zu nennen – elektronischer Geschäftspapiere auf dem Computersystem des Auftraggebers.

Was Auftraggeber sagen und was Designer hören, sind oft ganz unterschiedliche Dinge. Design kann helfen, Probleme überhaupt erst einmal klar zu definieren. Wirksame Ergebnisse kann man nämlich erst erwarten, wenn sich Auftraggeber und Gestalter richtig verstehen.

Gestaltungsqualität entsteht aus dem integrierten Ansatz: etwas näher hinschauen als erwartet; viele Fragen stellen; querdenken; sich in Angelegenheiten einmischen, die einen nichts angehen; mehr machen, als man eigentlich machen sollte und vor allem Spaß bei der Arbeit haben. Probleme lösen ist eine Sache, ästhetisches Vergnügen eine andere. Wir wollen beide verbinden – der Ingenieur soll skizzieren wie ein Künstler und der Künstler analysiert eine Aufgabe wie ein Ingenieur. Das ist die richtige Mischung.